Es ist eine bunte Truppe, die sich am Freitagabend in der Aula des Schulhauses Bümpliz zusammenfindet. «Heute sind die Jungen am Proben», erzählt Annemarie Morgenegg, die zusammen mit ihrem Ehemann Markus Morgenegg das Projekt organisiert (diese Zeitung berichtete im Mai).
Von Jung bis Alt
Rund 15 Personen sind an diesem Abend anwesend. «Wir hatten schon Proben nur mit den männlichen oder weiblichen Mitspielerinnen und Mitspielern. Einmal auch mit allen über 50, jetzt mit jenen darunter. Bei jeder Kombination ist die Dynamik anders und wir lernen immer etwas dazu», erklärt Liliana Heimberg. Sie, die selbst Schauspielerin und Theaterpädagogin ist, führt Regie.
Es wird ausgeschwärmt
Die Gruppe wird aufgeteilt. Nun stehen sich zwei sogenannte Schwärme gegenüber. Dabei erforschen die Teilnehmenden Ursache und Wirkung und probieren aus, wie ihr Verhalten die anderen beeinflusst. Was passiert, wenn jemand anders handelt als erwartet? Wie wird darauf reagiert? Diese Übung diene vor allem dazu, die Aufmerksamkeit gegenüber allen Mitgliedern zu schulen, erklärt Heimberg. Bei einer weiteren Übung stehen sich jeweils zwei Menschen gegenüber. Sie fördert das Körpergefühl. Die Choreografin Gisa Frank zeigt, wie das Spiel funktioniert. Der eine Teilnehmer nennt nacheinander verschiedene Körperteile, seine Spielpartnerin weicht mit der betreffenden Körperstelle zurück. Einige stellen die Bewegungen ganz theatralisch dar, andere reagieren zurückhaltender und weichen lediglich mit einer sanften Bewegung und kleinen Schritten zurück.
Spiel mit der Verunsicherung
In der letzten Phase der Probe können sich die Teilnehmenden kurze Sätze aus dem Stück, die vorbereitet daliegen, auswählen. Die Sätze werden verinnerlicht und dem Gegenüber laut gesagt. So entstehen mitunter tragische Satzkombinationen, die in ihrem Zusammenspiel jedoch eine unfreiwillige Komik entwickeln. Es fallen Sätze wie «Är versteit nech scho, aber dir tönet frömd für ne», «Körpergrösse?», «Scho wider e Chäfer?» oder «Und schau mich an, wenn ich mit dir spreche.» Immer wieder hallt lautes Gelächter durch den Raum. In kleinen Gruppen von zwei bis drei Personen stellen die Teilnehmenden Szenen mit den verinnerlichten Sätzen dar. Nun gilt es, auszuprobieren, wie sich Sätze beispielsweise auf Beziehungen auswirken oder wie sich noch mehr Spannung aufbauen lässt. Die grösste Schwierigkeit sei dabei sei der Umgang mit der Verunsicherung, erklärt Heimberg. Die Teilnehmenden müssen verstehen, damit umzugehen und Selbstsicherheit entwickeln. In einer Szene wird ein kleiner Käfer beobachtet. Der Darsteller wirft sich auf den Boden und ruft laut: «Lueg, e Chäfer.» Sein Gegenüber ist desinteressiert und stellt nur fest: «Scho wieder e Chäfer …» Es gibt die Szene beim Wehrpflichtarzt, in der die Körpergrösse und die Sehbehinderung festgestellt werden und Loosli im Anschluss als dienstuntauglich befunden wird.
Oder die Szene im Dorfladen, wo Loosli seine zukünftige Frau kennenlernt. Die Grüppchen erarbeiten die verschiedenen Szenen, entscheiden sich für zwei Varianten und spielen diese dann vor. Gemeinsam mit den anderen Probeteilnehmenden und Liliana Heimberg werden die Darstellungen besprochen, erneut vorgespielt und angepasst. Durch die gemeinsame Ausarbeitung gewinnen die einzelnen Szenen an Lebendigkeit und Spannung – so das Fazit der Gruppe.
Für die weitere Arbeit werden noch Kinder zwischen 6 und 8 Jahren und Jugendliche zwischen 13 und 16 gesucht. Doch mehr vom Stück sei vorerst nicht verraten. Die Organisierenden hoffen, dass das Freilichttheater im kommenden Sommer zu einem Höhepunkt im Veranstaltungskalender von Bümpliz wird.