Der bekannteste aller Männer mit meinem Namen war Pfarrer Thomas Bornhauser (1799–1856) in Weinfelden. Ein Revoluzzer. Deshalb mein Vorhaben. Aber ich hatte nicht vor, selber von der Kanzel zu wettern.
Älter als das Christentum
Die Dankbarkeit für eine gute Ernte ist viel älter als das Christentum. In der Schweiz entwickelte sich aus dem Erntedankfest über Jahrhunderte ein Gemisch aus bäuerlichem Brauchtum, christlichem Dank und Dorfgemeinschaft – so auch in Oberbottigen. Pfarrer Stefan Ramseier schlägt deshalb für meine Idee sofort den speziellen Erntedankgottesdienst Mitte Oktober vor. Er richtet sich an Jugendliche, Kinder und Familien, Menschen der mittleren Generation und auch Seniorinnen und Senioren. An der Orgel spielt Ji-young Kim-Barthen. Die Kirche ist von den Landfrauen dekoriert, und auch die Jugendtanzgruppe der Trachtengruppe Oberbottigen ist mit dabei. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es Kürbissuppe mit Wurst und Käse sowie ein Dessert für alle Anwesenden. Eingeladen hat der Ortskreis Oberbottigen.
Der bekannteste aller Männer mit meinem Namen war Pfarrer Thomas Bornhauser (1799–1856) in Weinfelden. Ein Revoluzzer. Deshalb mein Vorhaben. Aber ich hatte nicht vor, selber von der Kanzel zu wettern.
Älter als das Christentum
Die Dankbarkeit für eine gute Ernte ist viel älter als das Christentum. In der Schweiz entwickelte sich aus dem Erntedankfest über Jahrhunderte ein Gemisch aus bäuerlichem Brauchtum, christlichem Dank und Dorfgemeinschaft – so auch in Oberbottigen. Pfarrer Stefan Ramseier schlägt deshalb für meine Idee sofort den speziellen Erntedankgottesdienst Mitte Oktober vor. Er richtet sich an Jugendliche, Kinder und Familien, Menschen der mittleren Generation und auch Seniorinnen und Senioren. An der Orgel spielt Ji-young Kim-Barthen. Die Kirche ist von den Landfrauen dekoriert, und auch die Jugendtanzgruppe der Trachtengruppe Oberbottigen ist mit dabei. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es Kürbissuppe mit Wurst und Käse sowie ein Dessert für alle Anwesenden. Eingeladen hat der Ortskreis Oberbottigen.
Nichts ist selbstverständlich
Bei unserem Treffen zuvor erklärt mir Ramseier den vorgesehenen Ablauf dieses speziellen Gottesdienstes. «Beginnen werden wir mit einer Taufe», sagt er. Den Taufspruch haben die Eltern des Täuflings ausgewählt: «Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.»
Dem Anlass entsprechend soll anschliessend von Dank die Rede sein, von Dankbarkeit. «Was hast du für Ideen zu diesem Thema?», fragt Ramseier gespannt. In den nächsten 45 Minuten entstehen die Konturen seiner Predigt. Zum Thema Dankbarkeit habe ich einige Gedanken beizusteuern. Zum Beispiel, als ich 1992 beruflich mit einer jungen Frau aus St. Petersburg zu tun hatte. Ich holte sie am Flughafen Kloten ab und führte sie direkt ins Shoppyland. Angesichts des riesigen Warenangebots erlitt sie dort einen Nervenzusammenbruch. Das zeigte mir: Was für uns selbstverständlich ist, ist nicht unbedingt für alle Menschen so. Ein weiterer Gedanke: Wie kommt es, dass viele meiner Altersgenossen, um die 75, im Vergleich zu früher heute das meiste einen «Seich» finden? Seien wir doch dankbar dafür, dass wir nach dem Krieg in der Schweiz aufwachsen durften, problemlos Stellen finden konnten und heute alle eine Rente beziehen.
Dankbarkeit zeigen
Dankbar sollten wir auch jenen Menschen sein, die für uns ebenso eine Selbstverständlichkeit im Alltag sind und die ihre Herausforderungen in einem durchaus schwierigen Umfeld erbringen müssen. Das Pflegepersonal beispielsweise, aber auch die Polizei, die Lehrpersonen, die Zugbegleitenden oder die Angehörigen der Armee, deren Dienste wir hoffentlich nie in Anspruch nehmen müssen. Wir sollten dankbar sein für das, was wir haben, und nicht verärgert darüber, was uns angeblich fehlt.
Der Gottesdienst selbst ist eindrücklich. Nicht, weil mich Stefan Ramseier mit meiner Idee erwähnt, sondern weil sich über 100 Leute eingefunden haben. «Chind u Chegu», vom Täufling bis zum Urgrossvater. Bis alle ihren Platz an den bereits gedeckten Tischen gefunden haben, geht es fröhlich zu und her – zum Teil herrscht ein richtiges Tohuwabohu. Der Anlass in diesem Umfeld ist beeindruckend. Mir ist bewusst, dass ein solcher Sonntagsgottesdienst weder in Oberbottigen noch anderswo die Regel ist. Dennoch wird er bei mir nachwirken – nicht bloss beim Schreiben dieser Zeilen.
Bei unserem Treffen zuvor erklärt mir Ramseier den vorgesehenen Ablauf dieses speziellen Gottesdienstes. «Beginnen werden wir mit einer Taufe», sagt er. Den Taufspruch haben die Eltern des Täuflings ausgewählt: «Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.»
Dem Anlass entsprechend soll anschliessend von Dank die Rede sein, von Dankbarkeit. «Was hast du für Ideen zu diesem Thema?», fragt Ramseier gespannt. In den nächsten 45 Minuten entstehen die Konturen seiner Predigt. Zum Thema Dankbarkeit habe ich einige Gedanken beizusteuern. Zum Beispiel, als ich 1992 beruflich mit einer jungen Frau aus St. Petersburg zu tun hatte. Ich holte sie am Flughafen Kloten ab und führte sie direkt ins Shoppyland. Angesichts des riesigen Warenangebots erlitt sie dort einen Nervenzusammenbruch. Das zeigte mir: Was für uns selbstverständlich ist, ist nicht unbedingt für alle Menschen so. Ein weiterer Gedanke: Wie kommt es, dass viele meiner Altersgenossen, um die 75, im Vergleich zu früher heute das meiste einen «Seich» finden? Seien wir doch dankbar dafür, dass wir nach dem Krieg in der Schweiz aufwachsen durften, problemlos Stellen finden konnten und heute alle eine Rente beziehen.
Dankbarkeit zeigen
Dankbar sollten wir auch jenen Menschen sein, die für uns ebenso eine Selbstverständlichkeit im Alltag sind und die ihre Herausforderungen in einem durchaus schwierigen Umfeld erbringen müssen. Das Pflegepersonal beispielsweise, aber auch die Polizei, die Lehrpersonen, die Zugbegleitenden oder die Angehörigen der Armee, deren Dienste wir hoffentlich nie in Anspruch nehmen müssen. Wir sollten dankbar sein für das, was wir haben, und nicht verärgert darüber, was uns angeblich fehlt.
Der Gottesdienst selbst ist eindrücklich. Nicht, weil mich Stefan Ramseier mit meiner Idee erwähnt, sondern weil sich über 100 Leute eingefunden haben. «Chind u Chegu», vom Täufling bis zum Urgrossvater. Bis alle ihren Platz an den bereits gedeckten Tischen gefunden haben, geht es fröhlich zu und her – zum Teil herrscht ein richtiges Tohuwabohu. Der Anlass in diesem Umfeld ist beeindruckend. Mir ist bewusst, dass ein solcher Sonntagsgottesdienst weder in Oberbottigen noch anderswo die Regel ist. Dennoch wird er bei mir nachwirken – nicht bloss beim Schreiben dieser Zeilen.