«Wir betreiben einen mobilen Brillenservice in den Alters- und Pflegezentren», erzählt Michael Lüthi. Eine Idee, die heute nicht mehr wegzudenken ist, aber einst bei seiner Mutter aus der Not heraus entstand. «Meine Mutter erkrankte 2003 an Krebs. Sie wollte aber nicht, dass ihre begrenzte Verfügbarkeit in dieser Zeit dazu führte, dass die Kunden bis nach Köniz müssten, damit ihnen geholfen wird. So erfand sie den mobilen Brillenservice», schildert der Sohn. Heute stehen die Menschen Schlange, wenn das kleine Tischlein in den Pflegezentren aufgestellt wird, und das Angebot vor Ort hat sich immer ein wenig erweitert.
Nicht nur Modeaccessoire
25 Jahre ist es her, seit Irène Lüthi 1999 den Standort in Bümpliz und dann 2001 denjenigen in Neuenegg eröffnet hat. Bald 20 Jahre ist es her, seit das Fachgeschäft zu einem Ausbildungsbetrieb avanciert ist. Michael Lüthi übernahm etablierte Standorte, denen er mit einem Umbau und neuen Technologien das Rüstzeug für die Zukunft gab. So weit, so gut. Doch was den Hobby-Schiedsrichter viel mehr umtreibt, ist die Zukunft der gesamten Branche. «Laufkundschaft bleibt zusehends aus. Internet und Billigsonnenbrillen haben einen Teil des Markts übernommen», gibt er zu bedenken. Schlau ist das nicht, denn Lüthi nennt eine Problematik. «Die UV-Strahlung ist stärker geworden.» Erinnern sich ältere Semester noch daran, wie man einst statt Sonnencrème noch Öl einschmierte und, wenn überhaupt, einen Schutzfaktor 6 oder 7 kannte, ist heute mindestens ein Faktor 30 vonnöten. Eigentlich auch bei den Augen. Eine Sonnenbrille muss in der Lage sein, die Augen vor UV zu schützen, und nicht nur gut auszuschauen.
Sport und Linsen
Es sorgt den Inhaber, dass die Gesellschaft zwar verstanden hat, wie wichtig der Sonnenschutz ist, die Augen aber zu wenig miteinbezieht. Diese Sorge kommt nicht von irgendwo. Lüthi ist medizinisch interessiert und bewandert. Das erkennt man auch in der Filiale in Bümpliz. In einem Raum verbirgt sich nämlich seine Praxis für Kinesiologie. Künftig möchte der Optiker eben auch diesen Bereich abdecken. Ganzheitlich überlegt. Genauso handhabt er es auch in der Optik und streicht da und dort Überlegungen heraus, die wenig sinnvoll sind. Etwa im Sport. «Ich erachte die Brillen als wenig sinnvoll. Gerade für den Sport eignen sich Kontaktlinsen besser.»
Auf alle Fälle
Brille und Kontaktlinsen? Unbedingt. Lüthi hält nicht allzu viel von einer Brille für alle Fälle. «Ich bin überzeugt davon, dass man nicht eine Brille hat, die alles bewältigen soll, sondern für jeden Fall die richtige.» Gleitsichtbrillen seien vermeintliche Alleskönner, doch spätestens beim Lesen im Bett werde es dann schwierig, weiss der Experte. «Man sollte wechseln können. Leider wird viel zu wenig offen darüber geredet, ich will hier sensibilisieren», räumt er ein. Mutig, handelt es sich doch um Kundschaft. Und gerade diese Zivilcourage ist dem Bümplizer nicht in die Wiege gelegt, die hat er sich im Laufe seiner langjährigen Schiedsrichter-Laufbahn im Fussball angeeignet.
Doch weitaus wichtiger ist der eigentliche Grund, weshalb Michael Lüthi gerne Optiker ist. «Es sind die Menschen. Ich könnte nicht abgeschottet für mich alleine etwas machen. Ich brauche den Kontakt, die Nähe zu den Menschen. Ich bin kommunikativ und will das Beste für mein Gegenüber», meint er zum Schluss. Und das bedeutet in seiner Branche, eine Brille oder Kontaktlinsen für alle Fälle, vom Strand bis ins Schlafzimmer. Lieber alles dabei, als alles in einem.